Montag

Ich hasse es in Frankfurt ja schon, wenn Daniel und Alex in der Mittagspause einfach so über die rote Ampel rennen, aber hier ist das normal. Egal ob "stop" oder "go" man geht einfach. Am Anfang komme ich mir noch superdreist vor, dass ich einfach so da bei rot über die Strasse renne, aber heute nach einem halben Tag in der Stadt, ist das wohl eine meiner leichtesten Übungen, ich hab mich sogar schon dreimal getraut über die gruseligen Gitter zu laufen. Mein erster Weg heute führt mich sicher den Broadway Downtown und was ich wirklich genial finde, sind die rauchenden Riesengullis überall, die auch wieder irgendwie an ACME Filme erinnern.

Ich würde am liebsten alles fotografieren und aufschreiben, weshalb ich die ersten Stunden aussehen muss wie eine New Yorker Politesse, die am Strassenrand steht und Dinge notiert, nur dass ich hier keine Strafzettel verteile.

In einem Laden der "Antique Orange" heisst und an der Ecke Franklin Street ist finde ich die Stiefel, die mir so gut gefallen haben. Ich mutiere also zu einer richtigen Frau! Das ist soo cool! Ich shoppe! Shopping! Ich!! Jawohl. Aber heute nicht, deshalb merke ich mir wo der Schuhladen ist.

Irgendwann komme ich dan am City Hall Park an und begreife, dass das Gebäude, was mir so unglaublich gut gefällt einen Namen hat: Woolworth Building.

Früher als Teenies haben wir immer gesagt, wenn Du mit tollen Kerlen ins Gespräch kommen willst, solltest Du auch als Nichtraucher immer ein Feuerzeug einstecken haben.

In New York braucht Du nur eine Map. Ich stehe an der Fulton Ecke Nassau und versuche mich zu orientieren, da spricht mich ein gutaussehender junger Amerikaner an und fragt mich auch schon, ob er mir helfen kann, dummerweise weiss ich tatsächlich das erste Mal in meinem Leben wo ich bin und mein Stolz verbietet es mir so zu tun als bräuchte ich hilfe.

Trotzdem: I love New York

Am 17 Pier schaue ich mich um und so langsam beginne ich den Sinn des Satzes: Die Stadt der Städte oder diese Stadt pulsiert zu verstehen.

Ich habe mich glaube ich schon lange nicht mehr so friedlich gefühlt.

Leider haben die Museen Montags fast alle geschlossen, also kann ich mir heute nicht die Schiffe ansehen und ich sitze erstmal ganz lange in der Sonne am Pier und gebe mir Zeit zu realisieren, dass ich Urlaub habe, in New York bin und Zeit mit meiner Julia verbringen darf.

Das New York ein "Melting Pot" ist merkt man auch ziemlich schnell und zwar an all den Freaks und Psychos, weshalb ich mich hier sehr heimisch fühle. In fast jeder Strasse gibt es eine "Psychic Jessica" oder "Psychic Anna", wo man sich die Zukunft oder das Wetter der nächsten Tage voraussagen lassen kann.

Mittags esse ich mit Julchen Panini in ihrem Lieblingscafé und dann will ich erstmal heim. Ich bin ehrlich gesagt sehr müde vom viele Laufen und will die Schuhe wechseln. Am Washington Square biege ich falsch ab und lande in der Christopher Street. Das ist auch so wunderbar hier, egal welchen Plan ich hatte oder wo ich rauskomme, alles ist so schön in meinen Augen, das keine Abbiegung eine falsche Abbiegung war. Eigentlich so wie immer im Leben, alle Dinge die passieren, passieren aus einem guten Grund.

Und plötzlich stehe ich iin der Sullivan Street, wie in dem guten alten "Counting Crows Song": Took the way home, that leads back to Sullivan Street.

Heute Abend geht's in die Metropolitan Opera und wir sehen uns "Il Barbiere Di Siviglia" an, weshalb ich jetzt gerade überlege, ob ich jetzt los soll Richtung "Central Park" oder lieber noch einen Moment ausruhe.

Also ich bin dann entlang des Broadway uptown gelaufen und habe irgendwann auf die Park Ave gewechselt. Durch Zufall habe ich das FlatIron Gebäude gefunden und jetzt, nach dem Abendessen sind Julia und ich einfach nur platt. Ich war heute das erste Mal im "Whole Food" für uns einkaufen, weil ich Julchen was gutes kochen wollte wenn sie aus dem Büro kommt und da wäre ich fast tod umgefallen.

"Wholefood" ist unglaublich, ich verstehe jetzt auch warum unser Meisterkoch aktuell in New York unterwegs ist, überhaupt verstehe ich jetzt so langsam einiges und noch viel mehr. Also in New York wird niemand gezwungen sich ungesunden Scheiss reinzufahren, im "Wholefood" gibt es alles. Ich komme in die Gemüseabteilung und möchte am liebsten ein vegetarisches 5 Gänge Menü für Julia kochen. Die Auswahl ist gigantisch, frisch, lecker ausgelegt, einfach toll. An der Kassenschlange angekommen wundere ich mich noch über den komischen Bildschirm der ständig Zahlen ausruft und "registred" sagt, bis ich begreife, dass man gesagt bekommt, an welche Kasse man gehen muss. Toll! Schon wieder ist einfach alles toll. Wenn man beim Gemüse die Tüten abzieht, dann rollen die so an einer Vorkehrung entlang, dass sie exakt an der nächsten Tüte ganz ordentlich abgestreift werden. Auch toll!

Ausserdem bin ich ganz knapp meinem ersten Heiratsantrag entgangen. Ein orthodoxer Jude kam lächelnd auf mich zu und fragte: "Are you jewish?" als ich verneine sagte er: "Schade, schönen Tag noch!" und geht. Hier nicht angequatscht zu werden ist unmöglich. Die wollen mit dir reden, alle.

Toll.

Jetzt sind wir vollgefressen und eigentlich zu faul uns für die Oper fertigzumachen, aber das lassen wir uns nicht entgehen.

25.2.08 20:26

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