Sonntag morgen

Jetlag uh davor hatte ich irgendwie, mh naja Angst kann man nicht sagen, drücken wir es mal so aus: Ich war sehr auf das neuartige Gefühl des Jetlegs gespannt. Jetzt ist es hier Sonntag Morgen Neun Uhr und ich bin gerade aufgewacht und fühle mich total normal, aber wir werden sehen. Die Sonne draussen scheint in ihrer vollen Pracht und winkt mich raus, aber Julchen schläft noch, also hab ich mir nochmal ein paar Minuten genommen und etwas über gestern zu reflektieren.

Julien und Julia haben eine sehr schöne Wohnung hier in Manhatten. Es ist eines dieser uralten Townhäusschen allerdings eines der kleinen. Die Fensterläden sind aus alten Holz, die Dielen sind freigelegt und in jedem Zimmer gibt es wunderschöne Kamine, die aussehen, als würde Santa Claus gleich herauskommen und: HO HO HO rufen. Jetzt wo ich hier so alleine sitze, komme ich mir ein bisschen so vor, als wäre ich in mein Playmobil 1900 Haus geschrumpft. Nachts knarzt es an allen Ecken und Enden und ich bin froh, dass ich hier nicht alleine pennen muss, sonst würde ich wahrscheinlich kein Auge zu machen. Die Waschbecken haben statt Syphongs riesige "Dich verschlingende Löcher" wie in Stephen King's Es und direkt vor meinem Zimmer gibt es so eine gruselige Kellertür die nach Unten führt, aber da steht Gott sei Dank ein Schrank davor.

Gestern Abend waren wir noch in einem Club hier um die Ecke, der mich leider dann doch überfordert hat. Der Club hat keinen Eintritt gekostet und als wir ankamen liefen die guten alten 80er, die deshalb so gut sind, weil sie vorbei sind. Da wir am Anfang drei Mädels waren kam ich mir ein wenig vor wie Frischfleisch und ich merkte wie ich mir ganz schnell einen Fensterplatz herbeigesehnt habe um meine gerade verlorene Toleranz wiederzufinden, aber sie kam nicht.

Ich hatte meinen "first contact" mit einer amerikanischen  Bekannten von Julia, die mich vollkommen aus dem Konzept gebracht hat, weil sie die ganze Zeit geredet hat und mich an meine Grenzen der Smalltalkfähigkeit gebracht hat. Da hab ich gemerkt, dass ich eine richtige deutsche Kartoffel bin und mein spanischer Blutsanteil senkte sich gegen 0. Das ist ein absolutes Defizit von mir bis Dato. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum das Mädel mich so ausquetsch und analysiert, was die nur will und der Gedanke, dass sie einfach nur nett sein will und mich einbinden, tauchte zwar immer wieder auf, aber wollte irgendwie nicht bleiben.

Da Julchen mich gutgenug kennt hat sie ziemlich schnell bemerkt, dass ich innerlich total zu gemacht habe und war mir nicht böse, als ich einfach gehen wollte.

Danke Schicksal! Ich habe begriffen ich bin noch immer skeptisch gegen alles was neu ist. Ihre europäischen Freunde fand ich nämlich komischerweise angenehmer, die haben mich zwar auch Dinge gefragt, aber irgendwie fühlte es sich anders an.

Es ist spannend. Heute will ich mit Julia auf den Timessquare, weil ich befürchte, dass es nicht gut ist, wenn ich den das erste Mal alleine erlebe. Ich fürchte mich vor der Implodierung meines Gehirns, bei dem Anblick all der Musicals. So und jetzt mache ich erstmal Frühstück.

 

24.2.08 15:08

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tatjana (24.2.08 22:50)
Ich hasse auch Leute die einem beim ersten Kontakt so ausquetschen. Das sind aber auch meistens diejenigen, die einfach selber keine Geschichten zu erzählen haben. Das ist so ein bißchen wie die ganze Zeit nehmen und nix zurückgeben :-) Naja, ich war nicht dabei, aber ich, vielleicht weil ich auch eine deutsche Kartoffel bin, kann dieses Gefühl total nachvollziehen!!!

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