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01. März 2008

“Lookin' good for Jesus. Get his attention. Repair damage. Redeem your reputation and more!”


Heute haben wir den Tag in Ruhe angefangen. In New Yorks Clubs zu tanzen macht eben müde, vor allem wenn man so einen Ruhm geniesst wie wir. Ich kann mich vor Paparazzi ja kaum noch ungesehen bewegen, weil irgendwie alle hier denken ich wäre Katharina Witt. Hahahaha.


Beim gemütlichen duschen und fertigmachen schaue ich mir den Latinofernsehsender “Mun2” an.

Herrlich die Anunciós sind genial. Ein echt fetter Latino, genannt “The father” macht Werbung für seinen Elektrowarenladen und der Slogan für das Angebot des elektronischen Fleischschneiders ist” Damit kannst Du sogar das Herz deines untreuen Ehemannes herausschneiden”. Ja herrlich, dann ist ja alles in Butter.


Ich habe mich heute gemeinsam mit Julia das erste Mal in einen amerikanischen Virgin Store getraut.

Mein Limit für diesen Urlaub sind 3 Alben. Jeder Lebensabschnitt hat seinen eigenen Soundtrack verdient und mein Soundtrack für New York besteht bisher aus “Ryan Adams”, “Chris Brown” und “Frank Palmeri” dem netten Jungen, den wir gestern Abend live gesehen haben und von dem wir die FreeCD bekommen haben. Somit hab ich für nächste Woche nur noch ein Album zur Verfügung, dass ich kaufen darf, das wird hart.


Bevor wir an die Kasse kommen fällt mein Blick auf ein sehr buntes lustiges kleines Päckchen und bei näherem Hinsehen handelt es sich um ein “Fix-it-Kit”, das der jungen Christin dazu verhilft auch seelig frisch und sparkling auszusehen. “Get tight with Christ” und ich musste es kaufen. Daran konnte ich nicht vorbei gehen.


Claudi das wäre was für eure Horrorwichteleien.

"Employees must wash hands"

Nach dem Frühstück konnten wir gleich zu unserem Friseurtermin losziehen.
Ich wollte schon seit längerem ein Pony und wenn ich mir schonmal was gönne, lasse ich mir auch mal
die Haare vom Friseur färben. Julias Stammfriseur ist ein junger Chinese und ich komme mir vor wie ein Kunstwerk,
als er an unseren Haaren herummacht. Der Laden ist vollkommen basic eingerichtet,
wodurch ich das unglaublich angenehme Gefühl bekommen habe, dass hier Handwerk verkauft wird und keine Keralgé oder keine Ahnung wie die ganzen Friseurmarken heissen, die sie dir sonst immer zu verkaufen versuchen. Unser Friseur hier verkauft uns nur eins:
seine Haarschneidekunst.

Ich bin tatsächlich in der kurzen Zeit zu einem Fashion-Victim mutiert und Julia und ich gehen schon wieder shoppen. 2 Jeans, Schuhe und neue "Klamotten" für meinen süssen I-Pod. Die I-Pod Hüllen an dem Marktstand am Broadway leuchten in allen Farben und bei mir hat der "Sir Hiss Hypnotisiertblick" eingesetzt. "Es ist pink, es glitzert, ich  muss es haben, brain reset malfunction, error, overload." Jetzt habe ich eine goldene und eine pinke Hülle mit silbernen Glitzersternen. Herrlich.

Ich weiss noch nicht wie ich dieses Shoppingmonster wieder in die Hölle zurückbekommen soll, aus der es gekommen ist.

Den Abend verbringen wir zur zweit in der "Beauty Bar", einer total süssen Location, die ganz im Stil eines Beauty Salons eingerichtet ist und wo man tatsächlich für 10 Dollar eine Maniküre, Handmassage und einen Drink von der Bar erwerben kann.

Vielleicht sollte ich mir hier ein paar tolle Nägel ankleben lassen, die zu meiner neuen I-Pod Hülle passen mit Strasssteinchen???? Nein, ich möchte eigentlich lieber Frenchpedicure.

;-)
Keine Sorge soweit ist es dann doch noch nicht.

Wir machen dort das, was Freundinnen tun, wenn sie sich lange nicht intensiv treffen konnten. Wir blicken viele Jahre zurück auf gemeinsam erlebtes, schauen uns das heute an und spekulieren auf die Dinge, die noch kommen mögen.

Gute Nacht!

Wendy's

Früher hatten wir auch in Deutschland "Wendy's". Ich erinnere mich noch gut daran, was für ein Highlight es für mich war,
wenn Papa und ich zu "Wendy's" gefahren sind um matschige Burger zu essesn.
Das ist auch der einzige Grund gewesen, warum ich hier unbedingt noch einmal in einen dieser Läden reinwollte.
"Double with cheese, small combo with french fries and coke".
Beim ersten Bissen werden Erinnerungen wach, tatsächlich es schmeckt so wie ich es dachte.
Herrlich, matschig, labbrig, geil. Nur an die eckigen Fleischfladen erinnerte ich mich nicht. Ich dachte immer
in Deutschland wären die auch ganz normal rund gewesen.
I love Wendy's

Blueroom NY

Was mich bisher am meisten an NY fasziniert ist die Konsequenz der Strassen hier. Sicher gibt es in Frankfurt verschiedene Viertel, aber es ist nicht so beindruckend wie hier.

Hier gehst Du eine Strasse entlang und als habe man eine andere Kulisse in den Blueroom eingeblendet wechselst Du von total chaotisch buntem, blinki blinki Chinatown in ein ganz ruhig, mediteranes Italia. Das ist unglaublich.

“Some states are red. Some states are blue.Huckabee lost 100 lbs. So can you.”

Es ist ein wirklich warmer, sonniger Frühlingstag und ich kann mir Julias coole Jacke ausleihen. Soweit ich das nach so kurzer Zeit in NY beurteilen kann ist SoHo mein absolutes Lieblingsviertel in Manhattan. Ich beginne meinen Tag heute im Thompson Café erst zum Mittagessen, weil ich so elend Kopfweh habe, dass ich am liebsten im Bett bleiben würde. Im Duane Reade habe ich mir eine ordentliche Ration Ibuprofen gekauft, die ich nach meinem Artichok Sandwich nehme, anschliessend einen doppelten Espresse drübergekippt und bald dürfte diese Sorte Kopfweh hoffentlich verschwunden sein.

Es zieht mich nach Chinatown und auf meinem I-Pod begleitet mich mein Lieblingsalbum von Faith no More “Album of the Year”. Julia hatte mir schon gesagt, dass ich “Little Italy” und “Chinatown” auf jeden Fall sofort erkennen würde und so war es dann auch. Eine Strasse eingebogen und schon ist man mitten drin in dem Land in der Stadt. Genial!

Mein Soundtrack wird hier auf Nirvana “Unplugged in New York” geswitched. Es ist mal wieder ein genialer Tag und dank der Sonderdosis Ibu und Koffein fühlt sich mein Kopf auch wieder annehmbar an.

Chinatown riecht ein bisschen wie eine Mischung aus “Malaga Fischmarkt”, Esotherik Laden Bockenheim” und “Autobahndreieck Bad Homburger Kreuz im Sommer”.

Überall entlang der Strassen werden LKWs mit Lebensmittelkisten entladen und jeder qualmt merkwürdige Selbstgedrehte Kippen. Das erinnert mich daran, dass meine Omi mir erzählt hat, dass ihre Schwester nach dem Krieg immer Zigaretten aus Zeitungspapier und aufgelesenen Tabakresten der Kippenstummel der Amis gedreht hat.

Oh oh oh flipando, flipando hier sind so viele goldige, hutzelige, chinesische Omis und Opis, die sehen soooo süss aus.

Ich bin mir sicher, hier irgendwo in einem der merkwürdigen Läden im Keller könnte ich mir einen süssen Gizmo kaufen, der mir von einem alten weisen Mr. Myiagi Verschnitt überreicht würde. So langsam verstehe ich, warum so viele Filme in New York gedreht wurden. Ich konnte nicht an dem Giftstore vorbei und kaufe NY Postkarten und einen NY Magnetpin für den Kühlschrank.



Jawohl, es hat mich jetzt voll und ganz erwischt.

Ich kann jetzt fühlen woher das Funkeln in den Augen der Leute kommt, die mir von New York erzählten und es lieben.

Ein bezahltes Wellnesswochenende in einem 5 Sterne Spa hätte mir nicht diese Biophilie schenken können, die dieser Trip nach New York ausgelöst hat.

Ja Alex, I fuckin' love New York.

An der Bowery Ecke Spring Street mache ich weiter mit Melissa auf der Maur und dem Album “Auf der Maur”. Der komplette Strassenabschnitt ist voll von Läden für Restaurantzubehör. Total crazy Barhocker, Gasherde, abgefahrene Lampen.
Ja, kein Wunder dass die Bars und Restaurants hier alle so liebevoll gestylt sind.



An der Sullivan Ecke Bleecker schalte ich auf Korn um und “Life is Peachy und suche mir ein Plätzchen um meine Postkarten zu schreiben.

An der Thompson Ecke Spring setze ich mich dann totmüde an eine der Schachbänke und sehe den Jugendlichen beim Basketball spielen zu, während ich Karten schreibe. Ich bin vom vielen Laufen, Staunen, Beobachten sehr müde und warte hier jetzt auf meine Julia, damit wir zusammen einen schönen Spaziergang nach Hause machen können und somit endet mein Spaziergang, wo er angefangen hat, in meinem Lieblingscafé “Thompson Café” mit einer leckeren large Chai Latte.

Zum Abendessen gibt es neben Spaghetti von Julchen gekocht noch Counting Crows “Hard Candy” und unser Tag klingt ruhig aus. Morgen kommt Julien aus Alaska zurück und dann werden wir wahrscheinlich öfter mal mit den Freunden von Julia und Julien um die Häuser ziehen Abends.
Ich will doch auf jeden Fall noch in eine der verrückten Karaoke Bar's die ich eigentlich nur aus den Tokio Erzählungen kenne.

“Si ves algo, di algo”

Erstmal ist es heute 20°C schwül und ich habe schon wieder Kopfweh. Erstmal renne ich zur Post, um das Paket für Ramon zu finden, aber da es dort nicht zu finden ist, hab ich keine Lust mir grossen Stress zu machen. Also wieder ab nach Hause. Sehr motiviert bin ich heute irgendwie nicht. Ich glaube ich mache heute einen Tag zu Hause. Wie eklig!! Zu Hause bleiben, obwohl ich in New York bin.

Da mein Brüderlein Geburtstag hat, wenn ich wieder nach Hause komme und ich möchte ihm gerne was schenken, was ich hier besorgt habe. Aber es fällt mir grundsätzlich schwer mich in Fischköpfe einzudenken, vor allem wenn sie 17 Jahre und männlich sind.  Also haue ich ihn per Messenger an, was er sich wünscht und am Ende haben wir ne lustige Videokonferenz mit  Papa, Bruder und Schwester.

Ich vermisse euch. Nächstes Jahr komme ich auch mal wieder mit in einen Familienurlaub, oder so.

Obwohl ich schon in der Metro sitze habe ich noch keine Ahnung wohin es mich heute zieht, also steige ich spontan an der 59th street aus.

Ja und dank des Shoppingteufels  finde ich mich in “Bloomingdales” wieder, in der “Juicy Couture” Abteilung mit Täschlein und Portemonnaies für um die 100 – 200 $. Ich stehe total auf die Sachen von Juicy Couture, das merke ich gleich beim ersten Kontakt.

Ich schlendere durch die verschiedenen Abteilungen und versuche mich irgendwie mal etwas mehr für Mode zu interessieren.

Die Klamotten von Catherine Malandino gefallen mir gut, sind zwar viel zu teuer zum Anziehen, aber hübsch. Das Oberteil, dass mir am besten gefällt kostet auch nur schlappe 496$. Da stricke ich lieber selbst.

Mist! Von Juicy Couture gefallen mir nicht nur die Taschen. Ich brauche jetzt ganz schnell einen Geldscheisser, also muss ich doch wieder den Millionärsplan verfolgen.

Missioni hat sehr viele Wollhängekleidchen für diesen Frühling in sehr kräftigen Orangetönen, die sind auch sehr süss. Wenn ich mir nicht die Preisschilder ansehe, kann ich die Dinge ganz schön finden, so von weitem. Manchmal muss ich mehrmals den Stoff anfassen, weil ich mich frage, wofür ich die 400$ zahlen soll. Die Wolle ist weder Merino noch sonst irgendwas natürliches, die Farben sind auch handelsübliche Farben und die Verarbeitung reisst mich auch nicht vom Hocker. Ha da fällt mir es wieder ein, hier zahlt man den Namen. “Missioni” ich hab keinen Plan who the fu*k das sein soll, also zahle ich dafür auch nicht so viel Geld und wenn Lagerfeld draufstünde, hat der mir jeh was Gutes getan? Nicht dass ich wüsste, also muss ich für den auch nicht soviel zahlen.

Calvin Klein hält sich diesen Frühling sehr in Grau und Türkis was mir persönlich überhaupt nicht gefällt. Ralph Laureen hält sich eher in klassischen Marine Farben und Schnitten, sieht alles ein bisschen aus wie um 1900 rum.

Also Rolltreppe rauf und oh oh oh die Lingerieabteilung.

Normalerweise grundsätzlich mein Todesurteil, aber hier dank schrecklichster Kombinationen von Farben, Materialien und Preis für mich vollkommen ungefährlich. Neonfarben, an kratziger Spitze oder Tüll??? für 50$. Nö, danke. Wenn ich mich damit aussziehe, bekommt sogar ein Farbenblinder dank der konzentrierten Reflektion einen Schock und seine Fingerkuppen müssten vorher auch mit Handschuhen gefühllos gemacht werden, damit er nicht schreiend weglaufen muss. Wiederlich fühlt sich dieses Tüllzeug an. Hat das ein Mann entworfen???? Junge, das kratzt doch! Menschen die solche Unterwäsche designen sollte man fünf Stunden in groben Leinenhemden durch den Central Park joggen schicken, dann wissen die was es heisst, so einen Farbkollertüllscheiss auf der Brust zu haben.

So und dann, nur zum Spass gehe ich hoch in die Babyabteilung. Babys gibt's da nicht zu kaufen, aber Babyklamotten. Ich stehe kurz vorm Kindchenschemakollaps. “Flower of Love” hat so süsse Kleidchen für Babys und dann diese winzigen “Burberry” Sachen. Hier könnte man für die Twins einkaufen gehen bis zum Umfallen. Gott ist das lieb.

Abschliessend kann ich sagen Bloomingdales ist nett, aber solange ich meinen Goldesel nicht gefunden habe, ist es für mich total uninteressant. Ausserdem verleitet es zu vollkommen irrationalen Gedanken.
Seit ich die “Juicy Couture” Taschenabteilung verlassen habe, ist da dieser treibende Ruf in meinem Kopf. Dieser Geruch des weichen, butterzarten Leders, diese tollen Braun- und Rosatöne und der süsse goldene Anhänger mit dem Hund.

*fuckoff* in meinem Hirn meldet sich ein ziemlich gieriges Bedürfnis und quängelt und nervt und sagt die ganze Zeit: “Scheiss auf die 450 $ und kaufe dir das Portemonnaie und die Tasche. Du wolltest doch sowieso eine neue Tasche.”

Aber sonst geht's noch. Ich versuche diese kranke Stimme aus meinem Kopf mit guter handgemachter, spanischer Rockmusik zu vertreiben und schalte “Dover” auf volle Lautstärke.

Ich brauche keine Chicksen Tasche aus Bloomingdales für 250$ und dazu das passende Portemonnaie.

Verdammt wo ist der Millionär??

Gedenke wohl, was du dir wünschts.

Da steht er, oder besser sie!

Ja ich habe meine 1. New York Celebrity Begegnung.
Da steht Claudia Schiffer. Super gestylt, strahlend.
Klar jetzt raffe ich auch warum, da ist vor meinen Füssen ein Fotoshooting. Claudia geht ins Taxi, Claudia kommt aus dem Taxi raus, Claudia geht ins Taxi, Claudia kommt aus dem Taxi raus. Für dieses Ein- und Aussteigeritual kann die sich bestimmt 10x meine tolle Juicy Courture Tasche und Portemonnaie kaufen. Das ist gemein! Wenn ich ins Taxi steige muss ich sogar noch dafür zahlen.

Naja, dafür darf die ihr Leben lang nix gescheites Essen. Vor lauter Taschen-Frust und Celebrity Neid, weil die sich meine Tasche kaufen kann, hole ich mir eines von diesen ganz, wirklich ganz doll klebrigen Schokotörtchen mit Füllung und beisse genüsslich hinein, als ich merke dass ich gerade an einem der Fitnessstudios vorbeilaufe, wo die armen Leute immer direkt am Fenster trainieren müssen.

Der volltätowierte Kerl auf dem Laufband strahlt mich an und auf einmal schmeckt mir mein fettes Schokotörtchen noch besser! Ha und wenn ich gross bin möchte ich auch  mal Spiesser werden und dann steige ich ins Taxi ein und kann mir dafür meine Juicy Couture Tasche kaufen.

05. März 2008

“You need a lot of luck to understand all the announcements. But to win TAKE 5 all you need is me. LITTLE BIT OF LUCK.”


Da ich hier ja quasi in einem Französisch-Deutschen Haushalt lebe und der Franzose gestern wieder Einzug gehalten hat in sein Heim, darf ich heute echte “Quiche” als Lunch einpacken. Yummi Yummi.


Wenn ihr mal richtig Spass haben wollt, dann versucht in Gegenwart eines Franzosen, die warme Quiche ohne Salat zu essen.


Auf dem Weg zum Museum laufen überall Mädchen im Partnerlook herum, irgendwie sehen sie aus, als hätten sie alle die neueste Burberry Collection und ich schmunzele, zunächst mal über die lustigen Amis und dann noch viel mehr über mich selbst. Mensch Jessi! Du stehst hier mitten im Schulmädchenreport! Die tragen nicht Partnerlook sondern Schuluniformen! Peinlich!


Mein erstes Amerika Hinderniss habe ich am Eingang. Das hier überall die Handtaschen kontrolliert werden ist normal, aber hier darf ich diesmal garnicht rein und zwar wegen meiner französischen Quiche. Aber ich werde mich hüten, ohne meine Quiche ins Museum zu gehen.


Leben ohne Kunst ist ein langsamer Tod. Leben ohne Essen geht ziemlich schnell vorbei.


Also verspreche ich dem Security, dass ich meine Handtasche abgeben werde und ich darf passieren.


Dumm gelaufen, der nette junge Mann an der Garderobe bekommt kleine Schweissperlchen auf der Stirn, als er mir erklärt, dass er meine Damenhandtasche nicht nehmen darf, weil es eine Damenhandtasche ist und ich sage ihm, dass ich nicht rein darf mit der Handtasche wegen meiner Quiche. Jetzt wird er richtig nervös und sagt: “Sorry Mam, that's our policy. I didn't make it.”

-”Yo men”, denke ich mir und frage ihn, was ich denn jetzt machen soll, da ich ja nur nach einer Lösung suche. Da entspannt er sich etwas und sagt, ich solle die Tasche doch einfach inkl. Quiche mit reinnehmen, die Taschen würden jetzt eh nicht mehr kontrolliert.

Aha! What about the non food policy?????


Egal, ein so hart erkämpfter Eintritt in die Met und ich, illegaler Weise mit einer Quiche in der Tasche. Oh man, zu Hause kann ich nicht mal schwarz fahren ohne zu sterben und jetzt soll ich einen ganzen Tag im Museum überleben mit einem verbotenen, französischen Kuchen in der Tasche. Das wird ein Abenteuer.


Also erstmal nach Ägypten. Im Tempel of Dendur versagt die Batterie meines Fotoapparates, oh oh also bleiben mir ca. 3 Bilder für einen ganzen Tag Met.


Hier finden sich überall Kunststudenten mit Skizzenblöcken, die wie wild Skulpturen abmalen.

Ein Museumsangestellter kehrt die Münzen zusammen, die die Besucher in den Wassergraben um den Tempel geworfen haben.


Ha! Jetzt endlich begreife ich auch wofür die bunten Aluminiumplättchen sind, die man immer am Eingang bekommt. Die pinnt man sich an den Kragen, oder sonstwo an die Jacke. Ha das ist toll! Das mache ich auch. Das muss einem doch auch mal gesagt werden.


Wow, was für eine Sammlung im American Wing ist die Ausstellung der “Silversmiths to the Nation” mit wunderschönem Interieur aus 1808 – 1842. Leider darf man hier überhaupt keine Fotos machen. Prächtige Mahagonisofas, geschnitze Besteckzylinder für das Tafelsilber. Wunderschöne Sekretäre, mein Herzblut! Irgendwann möchte ich auch mal einen edlen Sekretär haben, mit ganz viel Geschichte und tausend versteckten Schubladen.


Diese Silversmith Sammlung ist riesig, man könnte damit sicher 60 Tafeln oder mehr parallel komplett eindecken. Ob das jemand polieren muss, oder ob die wohl so konserviert sind, dass es einfach nicht anläuft?


Die komplett ausgestatteten Wohnräume sind so der Wahnsinn. Roccoco Revival, Greek Revival, Gothic Revival und dann stehe ich vor dem schönsten Tisch, den ich jeh gesehen habe. Der sieht aus, als wäre er direkt aus “Hogwarts” eingeflogen worden. Mit Perlmutt Intarsien, die wie funkelnde Sterne angeordnet sind und schlagartig begreife ich die Etymologie des Wortes Perlmutt, als ich das englische Wort dafür sehe: Mother-of-pearl, die Mutter aller Perlen.



Und ich lerne warum die Tiffanys eben Tiffanys heissen. Wegen dem Herrn Louis C. Tiffany, tolle Gouache Zeichnungen hat der auch noch gemacht.


Weiter geht's zum Mittelalter und ich kriege mich nicht mehr ein.


“The Celts of Europe!!!!”


Hier hängen Torques, da sind unsere Kaugummiautomatenhälsbändchen gegen. Verdammt mein Kuli spinnt und die Kamera ist leer und ich mutiere zu einem sabbernden Kulturvampir.


Wie machen die das? Ich hab nen erhöhten Puls und ich spüre unbuddhistische Panik, aus Angst ich könnte dieses Museum heute nicht komplett schaffen, oder müsste Prioritäten setzen. Für 20$ Eintritt?!? Verdammt.


In der “Arms und Armor” Ausstellung stehe ich kurz vorm Kollaps und mein Kuli auch. Vollplattenrüstungen auf Vollplatten für Pferde, die Flaggen und ich stehe mitten drin in “A Knight's Tale”. Säbel, Schwerter jedes einzelne so filigran, dass es Stunden dauern würde sich jedes genau anzusehen. Oh nein! Eine Kindervollplatte für den 5 Jährigen Infante Louis, Prinz von Asturien.


Jetzt hilft nur eins!


Ich rase durch die komplette Ausstellung der “Medieval Art” und direkt in den Museumsstore für den ich Scheuklappen bräuchte, aber ich fokussiere mich auf mein Ziel: Einen neuen Kuli! Und diesmal bin ich so schlau und kaufe noch Bleistifte dazu.

Ich bin bereit! Zurück zu den Waffen, ohne sich von den Schätzen des Merchandising ablenken zu lassen.


Jetzt kann ich entspannt den Rest der Ausstellung geniessen.


Japanische Klingen mit wundervoll geschliffenen Blutabläufen. Wahnsinn.


So und das endgültige Gänsehautfeeling tritt ein, als ich wieder in die grosse Halle der berittenen Vollplatte komme und jemand die riesige Orgel auf der Empore spielt. Die leblosen Rüstungen werden in meinem Kopf lebendig und reiten eine Parade.


Emotionaler Overflow! Mir laufen die Tränen, in einem Museum!


“The Gubbio Studio” ist ein komplett erhaltener Raum mit unglaublichen Wandintarsien aus dem Palast des “Duke de Urbino” von 1476. Und dann erst das Schlafzimmer aus dem Palazzo Sagredo in Venedig, das erschlägt Dich, ohne Scheiss. Ich hätte da kein Auge zu gemacht, aus Angst mir würde eine der dicken Putten auf den Kopf fallen.


Meine französische Quiche schaut beleidigt, als ich die italienischen Rigatoni in der Cafeteria bezahle. Aber ich bin total platt und hungrig und brauche ne Pause und ich gelobe feierlich, ich esse Dich heute noch. O.k. Es ist 14:33 Uhr und ich bin seit 10:30 Uhr hier und habe noch nichtmal ein Drittel gesehen.


Mir fällt das Buch ein, dass wir von unserem amerikanischen Management geschenkt bekommen haben. “Flawless Execution” und das könnte ich jetzt wirklich gebrauchen. Ich brauche einen Schlachtplan um in diesem Museumschlachtfeld nicht dem Kulturschock zu erliegen.


Wenn ich hier rauskomme sticke ich mir ein rotes Bandana “I survived the Met”.


Ja, irgendwie bin ich jetzt bei den Impressionisten gelandet. Ich dachte ja, das würde mich überhaupt nicht interessieren, aber seltsamerweise erkenne ich sie sogar von weitem und muss schlucken, denn ich stehe genau vor einem original Gauguin.

Geil! Matisse, Rembrandt, Cèzanne, ist das geil. Die hängen hier einfach so und ich kann bis fast mit der Nase dran.

Henri Edmond Cross kenne ich zugegebenermaßen nicht, aber er malt wundervoll.


El Greco! Goya! Renoir! Ich muss schon wieder weinen, aber so sehe ich nix. Und Monet gibt mir den Rest. I adore Monet!


Die “Condesa de Altamira” von Goya ist unglaublich. Die Falten, die ihr Seidenkleid wirft sind so realistisch, dass man sie anfassen möchte um es zu begreifen.


Vor lauter Flennerei wäre ich beinahe am Chagall vorbeigerannt. Das Bild wurde gemalt, als mein Opa geboren wurde, 1911. “The Pont de Passy and the Eiffel Tower”.


In der Wrightsman Gallerie mit Renaissance und Barock Hotelzimmern geht mir mein Geflenne selbst auf den Geist, weil ich wirklich nicht mehr richtig sehe. Ausserdem denken die anderen Besucher bestimmt ich bin ein Freak.


Tranquila Jessi. Tranquila.


Hier ist einer von Louis XIV Tischen?!?!?!


Ich bin echt froh, dass es noch keine funktionierenden Zeitmaschienen gibt, denn ich würds nicht überleben.


Die Arts of Afrika, Oceania udn the Americas strahlt in Gold. Riesige goldene Masken, was eine Handarbeit, prächtige Federwandbehänge in strahlenden Farben. Wer musste die armen, tausend Wellensittiche dafür rupfen?


In der Halle für Griechische und Römische Kunst muss ich mich erstmal setzen. Ich bin platt. Kurz schauen, ob es eine Bank ist oder Kulturgut und ich sitze. 16:00 Uhr und noch immer im ersten Stock. Unglaubliches Museum.


Übrigens Papa Du kannst ganz beruhigt sein. Im Römischen Reich wäre ich gerade wegen meiner Nase eine Schönheit gewesen.


Die Ausstellung der griechischen Vasen ist original wie in dem Disneyfilm “Herkules”. Hier kriegen Kindergartenkinder gerade griechische Geschichte an Hand von einer abenteuerlichen Sphinx Erzählung erklärt. So süss sind die.


So, in der modern Art hoffe ich auf Entspannung, da ich damit wirklich keinen Vertrag habe.


“Georgia o' Kaefles Knochenbilder gefallen mir ganz gut. Zumindest die Close-ups.

“The Universe through the postal of a bone.”

Ja, aus der toten Perspektiven eines Knochens, sieht das Universum sicher sehr, sehr bunt und lebhaft aus.


Picasso, shit der gehört ja auch in die Moderne und Dalì. Also nix mit Entspannung, nur in Ehrfurcht weiterlaufen. “The Accomodation of Desire”. Ich glaube, wenn Dalì in mich verliebt gewesen wäre, hätte ich echt Angst gehabt. Miró wow, ganz viele Mirós und wieder meine Kindergartenfreunde.

Anhand von Mirós “Animated Landscape” besprechen sie Kindgerecht die moderne Kunst und dann malen sie sogar selbst einen Miró.


Oh Paul Klee! Picassos “Stillleben mit einer Flasche Rum” ist sogar für mich ein Meisterwerk und das obwohl ich ihn grundsätzlich nicht so gerne sehe.


Dalís “Madonna” von 1958 ist irgendwie unglaublich faszinierend für alle Besucher, wie ich feststellen muss, als ich länger davor sitze. Starrt man zu lange darauf, sieht man nur ncoh die weissen Punkte.


So und endlich um 16:50 Uhr erreiche ich den 2. Stock. Chuck Close macht riesige fotorealistische Acrylgemälde, das ist klasse. Andy Warhols “Mao” krass und Roy Lichtenstein o.k. Hier renne ich etwas durch.


Damien Hirst hat einen Hai in Formaldehyd eingelegt und nennt es “The physical impossibility of death in the mind of someone living.” Na, das soll der mir aber mal erklären. Ich glaube ja, der legt einfach gerne Sachen in Formaldehyd ein und braucht ne Erklärung warum er das gerne macht, also nennt er es Kunst.


“Mäda Primavesi” von Klimt würde ich mir sofort ins Schlafzimmer hängen. So und zurück in die Vergangenheit in den Palast von Asturnasirpal II. Wow!


George Nakashima aus Japan verbindet japanische Tradition mit modernen Ansprüchen. Ein Traumwohnzimmer aus schwarzer Walnuss. Und mittendrin ein chinesischer Garten. Mittendrin! Im Museum.


Und dann verlaufe ich mich irgendwie in die Fashionausstellung, die von Manolo Blahnik ermöglicht wurde. Das ist der Typ mit den Schuhen, aus der Serie mit dieser schrecklichen Sarah-auchnochmeinenamenspatronin Parker. Das Joshua Kadison Lied von dem ich immer dachte er habe es für mich geschrieben und den Hund mit der Katze verwechselt, hat er eigentlich für das Klappergestell geschrieben. Furchtbar!


Vivienne Westwood sticht sofort heraus. An der ist irgendwie ein Industrial Grufti verloren gegangen.

Jean Paul Gaultiers “Backless Dress” kommt mir total bekannt vor. Simon Costin ist bestimmt mit Vivianne Westwood befreundet udn entwirft für sie Schmuck.


Die schwarze Handtasche ist mit zwei Vogelfüssen mit schwarz lackierten Nägeln verziert und das “Incubus” Halskettchen ist mit gruseligen Glasphiolen gespickt. Oh, ich lese gerade, dass die Phiole mit menschlichem Sperma gefüllt ist. Würg Der Museumswärter sagt mir bescheid, dass sie jetzt schliessen und ich bin jetzt wirklich panisch. Ich hab doch die Instrumentenausstellung noch garnicht gesehen!


Verdammt.


Ich treffe mich mit Julia an der 49sten und wir laufen gemeinsam nach Hause.


Die 5te Ave muss ich unbedingt nochmal in Ruhe entlanglaufen. Hier sind die Kutschen am Central Park und das “Bergdorf and Goodman”. Ich bin totmüde und habe Halsweh.



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