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Da bin ich

So, ich bin also tatsächlich angekommen in New York.

Der Flug mit den Italieniern war eigentlich ganz o.k. Nach dem ich erkannt habe, dass mein Budget wohl eher ein via als ein direkter Flug werden würde, habe ich mich innerlich schon mit dem Gedanken angefreundet, dass es zu Verzögerungen kommen kann.  Italiener sind da halt doch so wie wir Spanier, man hat ja Zeit, es wird schon alles gehen. Eigentlich war ich bei meinem Frankfurt - Mailand Flug mal wieder kurz davor war ganz unreflektiert durchzudrehen, schliesslich wurde sofort nach dem Einsteigen erklärt, dass wir ca. 1 Stunde Verspätung haben würden und das ganze musste ich auch noch auf Italienisch verstehen, weil deren Englisch so gruselig ist, dass ich es tatsächlich besser vom Spanischen herleiten, als denn vom Englischen Übersetzen kann, aber ich hab ja viel gelernt in den letzten Wochen, vom Herrn Fromm und vom Herrn Buddha, also habe ich mir einfach mal klar gemacht: Hey Jessi, Du sitzt jetzt hier im Flieger, alles was in Deiner Zuständigkeit lag, hast Du erfüllt, lass es einfach auf Dich zukommen und prompt hatte mein Urlaub begonnen.

Fliegen ist wundervoll. Ich wage ja zu behaupten, dass Menschen die von sich aus Fensterplätze wählen die toleranteren sind. Meine Behauptung geht sogar soweit, dass ich sage: Wäre Columbus nach Amerika geflogen (Fensterplatz natürlich) hätte er die Indianer friedlich in den Arm genommen und sie als ebenbürtige Menschen erkannt.

In dem Moment, wo man über den Wolken ankommt, erweitert man seinen Horizont, die Augen nehmen diese unendliche Weite wahr und man selbst registriert, wie klein und unwichtig man ist, hat sogar Reinhard May schon besungen. Ich glaube das programmiert etwas in unserem Hirn. In der Meditation macht man solche Horizontsvisualisierungen, wenn man vor grossen Entscheidungen steht, um unvoreingenommen und frei an den Denkprozess heranzugehen.

Und wegen der Fensterplätze gibt es auch so viele Deutsche Pauschaltouristen, die auf einmal denken: Die Spanier sind viel netter und aufgeschlossener, dabei sind sie, es die auf einmal netter und aufgeschlossener sind und all das nur wegen eines Fensterplatzes.

 

Ab ans Fenster Augen und Herz auf und alles wird gut. 

Aber weiter im Text. Ich sitze zwischen sehr netten Italieniern, die mich während meines Fluges aber nicht weiter interessieren. Bis ich begriffen habe, dass ich einen eigenen Bildschirm in meinem Sitz habe, vergeht erstmal einige Zeit, aber dann eröffnet sich mir die volle Welt des Multimedia. Ich schaue mir zuerst "Stardust" an und muss die ganze Zeit die Tränen einhalten, weil ich doch sowieso so ein Fantasiefreak bin und durch  meine erste U.S.A Reise megaemotional, danach gibts "Jane Austen Club" und ich halte noch immer die Tränen zurück, damit ich nicht doch noch im Flieger anfange zu heulen, sehe ich zum Schluss Transformers und schlummere dann noch eine Weile.

In New York angekommen kann ich es eigentlich noch immer nicht glauben, dass das real sein soll und das ich jetzt hier bin. Das erste was mir auffällt sind die Autos. Hier fahren überall Ramons rum. Lustig ist das.

Und dann fahren wir näher an die Innenstadt heran und ich denke: "Wat is dat denn hier? Wieso ist da so ein riesiger Wald? Peinlicherweise ist der riesige Wald ein Friedhof so gross wie, so gross wie....gross...riesig. Der ist so gross wie eine Stadt. Unglaublich.

Mein erster Eindruck von New York ist, dass es gross ist, grob und mit sehr viel Charme, jetzt haben wir halb zehn und gehen gleich noch aus.

Hey Moni und Sven ich war vorhin in einem Halloweenladen ihr wärd abgedreht da drin. Da gab es Facehugger, die Masken von Planet der Affen, ach es gab da alles einfach alles, ich muss davon Fotos machen, der Laden ist riesig.

So und jetzt müssen wir uns fertig machen. Es geht in eine Bar! 

Sonntag morgen

Jetlag uh davor hatte ich irgendwie, mh naja Angst kann man nicht sagen, drücken wir es mal so aus: Ich war sehr auf das neuartige Gefühl des Jetlegs gespannt. Jetzt ist es hier Sonntag Morgen Neun Uhr und ich bin gerade aufgewacht und fühle mich total normal, aber wir werden sehen. Die Sonne draussen scheint in ihrer vollen Pracht und winkt mich raus, aber Julchen schläft noch, also hab ich mir nochmal ein paar Minuten genommen und etwas über gestern zu reflektieren.

Julien und Julia haben eine sehr schöne Wohnung hier in Manhatten. Es ist eines dieser uralten Townhäusschen allerdings eines der kleinen. Die Fensterläden sind aus alten Holz, die Dielen sind freigelegt und in jedem Zimmer gibt es wunderschöne Kamine, die aussehen, als würde Santa Claus gleich herauskommen und: HO HO HO rufen. Jetzt wo ich hier so alleine sitze, komme ich mir ein bisschen so vor, als wäre ich in mein Playmobil 1900 Haus geschrumpft. Nachts knarzt es an allen Ecken und Enden und ich bin froh, dass ich hier nicht alleine pennen muss, sonst würde ich wahrscheinlich kein Auge zu machen. Die Waschbecken haben statt Syphongs riesige "Dich verschlingende Löcher" wie in Stephen King's Es und direkt vor meinem Zimmer gibt es so eine gruselige Kellertür die nach Unten führt, aber da steht Gott sei Dank ein Schrank davor.

Gestern Abend waren wir noch in einem Club hier um die Ecke, der mich leider dann doch überfordert hat. Der Club hat keinen Eintritt gekostet und als wir ankamen liefen die guten alten 80er, die deshalb so gut sind, weil sie vorbei sind. Da wir am Anfang drei Mädels waren kam ich mir ein wenig vor wie Frischfleisch und ich merkte wie ich mir ganz schnell einen Fensterplatz herbeigesehnt habe um meine gerade verlorene Toleranz wiederzufinden, aber sie kam nicht.

Ich hatte meinen "first contact" mit einer amerikanischen  Bekannten von Julia, die mich vollkommen aus dem Konzept gebracht hat, weil sie die ganze Zeit geredet hat und mich an meine Grenzen der Smalltalkfähigkeit gebracht hat. Da hab ich gemerkt, dass ich eine richtige deutsche Kartoffel bin und mein spanischer Blutsanteil senkte sich gegen 0. Das ist ein absolutes Defizit von mir bis Dato. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum das Mädel mich so ausquetsch und analysiert, was die nur will und der Gedanke, dass sie einfach nur nett sein will und mich einbinden, tauchte zwar immer wieder auf, aber wollte irgendwie nicht bleiben.

Da Julchen mich gutgenug kennt hat sie ziemlich schnell bemerkt, dass ich innerlich total zu gemacht habe und war mir nicht böse, als ich einfach gehen wollte.

Danke Schicksal! Ich habe begriffen ich bin noch immer skeptisch gegen alles was neu ist. Ihre europäischen Freunde fand ich nämlich komischerweise angenehmer, die haben mich zwar auch Dinge gefragt, aber irgendwie fühlte es sich anders an.

Es ist spannend. Heute will ich mit Julia auf den Timessquare, weil ich befürchte, dass es nicht gut ist, wenn ich den das erste Mal alleine erlebe. Ich fürchte mich vor der Implodierung meines Gehirns, bei dem Anblick all der Musicals. So und jetzt mache ich erstmal Frühstück.

 

Do's and Don'ts

Ich hasse ja do's and don'ts. Dinge, die man nicht machen soll, weil man sie nicht macht, finde ich umso interessanter und vor allem Frage ich mich immer, wer ist eigentlich dieser "man" der das nicht machen soll, ich kanns ja wohl nicht sein, ich heisse nämlich Jessica.

Kleine Sünden bestraft der liebe Gott trotzdem zuerst und so ist es passiert, am Samstag Abend in New York, als ich meine erste echte Begegnung mit einer Pfütze des Grauens habe. New Yorker Pfützen sind sehr unscheinbar und offenbaren ihre Tiefgründigkeit meist erst, wenn man den Fehler gemacht hat fröhlich hineinzuspringen. Dann öffnen sie ihren bösartigen Schlund und verschlingen dich in ein tiefes Loch. Wenn es keine Pfützen gäbe, wäre die vermissten Rate in New York sicherlich sehr viel geringer.

Also merken! Grosses DON'T!! Springe nicht in New Yorks Pfützen!!!!

Die Löcher hier in den Strassen sind verdammt gross und es kann passieren, dass Du knietief in der Scheisse steckst.

Der Sightseeing Sonntag

Das Wetter am Sonntag war wundervoll, ein perfekter Wintertag, wie man ihn sich wünscht, es war klirrend kalt aber die Sonne erstrahlte in ihrer vollsten Pracht.

Der perfekte erste Urlaubstag und da Julia nicht arbeiten musste, sind wir nach einem ausgedehnten Frühstück losgelaufen Richtung Brooklyn Bridge.

Zu allererst macht Julchen mich mit der hiesigen Metro bekannt.

Wer auch immer diese Stadt entworfen hat, hatte mit Sicherheit eine genausogute Orientierung wie ich und wollte deshalb anderen Menschen helfen, denen es genauso geht wie uns. Das Strassensystem ist Idiotensicher und seltsamerweise auch das Metrosystem. (Zumindest ist das mein erster Eindruck) Es wird sich zeigen, wenn ich heute das erste Mal alleine unterwegs bin.

Man zieht sich also eine Metrocard und egal wieviele Stationen man nimmt es kostet immer 2$. Das ist so toll! Die Metrocard zieht man durch den Schlitz und schon erhält man Zutritt in die stinkigen, dreckigen Metrotunnel. (Ich fühle mich sofort als wäre ich in Blade).

Anscheinend haben die Metroschlitze einen Tourierkennungsscan, denn als ich meine Karte fachmännisch durchziehen möchte, sagt die Anzeige: "Zu schnell", dann "zu langsam", "zu schnell", "zu langsam" und ich bin irgendwie peinlich berührt. "Verdammt, ich scheitere am Bahnfahren schon am Eingang." doch nachdem ich anscheinend lange genug die genaue Ziehgeschwindigkeit geübt habe, lässt mich die gemeine Drehtür endlich rein.

Ab zur Brooklyn Bridge!

Die Brooklyn Bridge schnürt mir den Hals zu als wir darüber laufen. Ein gigantisches Bauwerk. Wenn man darüberläuft spürt man das diese Brücke eine dramatische Geschichte hat. Welche erfahre ich erst später am Abend, als ich den Tag nochmal Revue passieren lasse und mir den Reiseführer zu den einzelnen Orten durchlese, aber sie ist wirklich unglaublich schön. Auf einmal überblickt man einen riesigen Teil der Stadt, unter Dir ist der East River und auf der linken Seite dann irgendwann kannst Du die Freiheitsstatue erkennen. Die Sonne lässt das ganze Zenario natürlich noch dramatisch schöner aussehen und als mein erster Blick auf die Freiheitsstatue fällt, fange ich an zu weinen. Ich weine einfach.

Bei all der Schimpferei über die Amis und wie dumm sie doch sind usw. und sofort verdränge ich doch einfach nur, in welcher Zeit ich aufgewachsen bin. In meiner Jugend war für uns alles toll, was aus Amerika kam. Mein Unterbewusstsein ist mit dem Gedanken, dass Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist unwiederruflich verknüpft und jetzt wo ich hier stehe und tatsächlich mit 28 Jahren die Freiheitsstatue das erste Mal mit meinen eigenen Augen sehen kann und dann noch in dieser Pracht muss ich einfach weinen. Ich bekomme einen winzig kleinen Einblick in das Gefühl warum man sie "Freiheitsstatue" genannt hat.

Ich bin da, ich bin in dem Land, das als ich noch ein Kind war, alles meiner Gedankenwelt beeinflusst hat. Coole Paula Abdul Videos, New Kids on the Block, Ghostbusters, Das A-Team, Aliens alles ein amerikanischer Traum, meine Kindheit. (Im Falle von Aliens wohl eher ein Alptraum, aber ich wollte ein Marine sein, aus ganzem Herzen).

Wir kommen also in den "Financial District" und sehen uns die Wall Street an und Ground 0. Ich verzichte darauf mir das Museum anzusehen, zumindest heute. Wenn man den riesigen Platz sieht, der da nun leer steht, bzw. die Baustelle, reicht das erstmal für den ersten Tag. Im South Street Square bzw. am Pier 17 kommen dann die wundervollen alten Museumsschiffe, die ich mir morgen nochmal genauer ansehen will. Union Square/Timessquare, wir haben viel gesehen an diesem ersten Tag, bzw. hat Julia mir viel gezeigt.

Im "Forever21" kaufe ich ganz schnell doch ein paar Klamotten ein. (Ja wirklich, ich war freiwillig Klamotten kaufen und habe bereits die erste Jeans, die ich anprobiert habe kaufen können. Ich habe nicht einmal weinen müssen und war auch nicht gestresst. Nach dem langen Tag gehen wir zum Burger Essen Abends ins "Corner Bistro" und ich bekomme meinen ersten richtig tollen, fleischigen "well done" Cheesburger mit French Fries.

Heute abend geht nur noch Couch! Da Julia und Julien im Wohnzimmer kein Fernseher haben und eigentlich sowieso nur Filme sehen, komme ich in den wundervollen Genuss des Heimkinos und wir schauen vor dem Einschlafen noch "Finding Neverland" wovon wir so sehr heulen müssen, dass Julia die ganze Nacht Kopfweh hat.

 

Montag

Ich hasse es in Frankfurt ja schon, wenn Daniel und Alex in der Mittagspause einfach so über die rote Ampel rennen, aber hier ist das normal. Egal ob "stop" oder "go" man geht einfach. Am Anfang komme ich mir noch superdreist vor, dass ich einfach so da bei rot über die Strasse renne, aber heute nach einem halben Tag in der Stadt, ist das wohl eine meiner leichtesten Übungen, ich hab mich sogar schon dreimal getraut über die gruseligen Gitter zu laufen. Mein erster Weg heute führt mich sicher den Broadway Downtown und was ich wirklich genial finde, sind die rauchenden Riesengullis überall, die auch wieder irgendwie an ACME Filme erinnern.

Ich würde am liebsten alles fotografieren und aufschreiben, weshalb ich die ersten Stunden aussehen muss wie eine New Yorker Politesse, die am Strassenrand steht und Dinge notiert, nur dass ich hier keine Strafzettel verteile.

In einem Laden der "Antique Orange" heisst und an der Ecke Franklin Street ist finde ich die Stiefel, die mir so gut gefallen haben. Ich mutiere also zu einer richtigen Frau! Das ist soo cool! Ich shoppe! Shopping! Ich!! Jawohl. Aber heute nicht, deshalb merke ich mir wo der Schuhladen ist.

Irgendwann komme ich dan am City Hall Park an und begreife, dass das Gebäude, was mir so unglaublich gut gefällt einen Namen hat: Woolworth Building.

Früher als Teenies haben wir immer gesagt, wenn Du mit tollen Kerlen ins Gespräch kommen willst, solltest Du auch als Nichtraucher immer ein Feuerzeug einstecken haben.

In New York braucht Du nur eine Map. Ich stehe an der Fulton Ecke Nassau und versuche mich zu orientieren, da spricht mich ein gutaussehender junger Amerikaner an und fragt mich auch schon, ob er mir helfen kann, dummerweise weiss ich tatsächlich das erste Mal in meinem Leben wo ich bin und mein Stolz verbietet es mir so zu tun als bräuchte ich hilfe.

Trotzdem: I love New York

Am 17 Pier schaue ich mich um und so langsam beginne ich den Sinn des Satzes: Die Stadt der Städte oder diese Stadt pulsiert zu verstehen.

Ich habe mich glaube ich schon lange nicht mehr so friedlich gefühlt.

Leider haben die Museen Montags fast alle geschlossen, also kann ich mir heute nicht die Schiffe ansehen und ich sitze erstmal ganz lange in der Sonne am Pier und gebe mir Zeit zu realisieren, dass ich Urlaub habe, in New York bin und Zeit mit meiner Julia verbringen darf.

Das New York ein "Melting Pot" ist merkt man auch ziemlich schnell und zwar an all den Freaks und Psychos, weshalb ich mich hier sehr heimisch fühle. In fast jeder Strasse gibt es eine "Psychic Jessica" oder "Psychic Anna", wo man sich die Zukunft oder das Wetter der nächsten Tage voraussagen lassen kann.

Mittags esse ich mit Julchen Panini in ihrem Lieblingscafé und dann will ich erstmal heim. Ich bin ehrlich gesagt sehr müde vom viele Laufen und will die Schuhe wechseln. Am Washington Square biege ich falsch ab und lande in der Christopher Street. Das ist auch so wunderbar hier, egal welchen Plan ich hatte oder wo ich rauskomme, alles ist so schön in meinen Augen, das keine Abbiegung eine falsche Abbiegung war. Eigentlich so wie immer im Leben, alle Dinge die passieren, passieren aus einem guten Grund.

Und plötzlich stehe ich iin der Sullivan Street, wie in dem guten alten "Counting Crows Song": Took the way home, that leads back to Sullivan Street.

Heute Abend geht's in die Metropolitan Opera und wir sehen uns "Il Barbiere Di Siviglia" an, weshalb ich jetzt gerade überlege, ob ich jetzt los soll Richtung "Central Park" oder lieber noch einen Moment ausruhe.

Also ich bin dann entlang des Broadway uptown gelaufen und habe irgendwann auf die Park Ave gewechselt. Durch Zufall habe ich das FlatIron Gebäude gefunden und jetzt, nach dem Abendessen sind Julia und ich einfach nur platt. Ich war heute das erste Mal im "Whole Food" für uns einkaufen, weil ich Julchen was gutes kochen wollte wenn sie aus dem Büro kommt und da wäre ich fast tod umgefallen.

"Wholefood" ist unglaublich, ich verstehe jetzt auch warum unser Meisterkoch aktuell in New York unterwegs ist, überhaupt verstehe ich jetzt so langsam einiges und noch viel mehr. Also in New York wird niemand gezwungen sich ungesunden Scheiss reinzufahren, im "Wholefood" gibt es alles. Ich komme in die Gemüseabteilung und möchte am liebsten ein vegetarisches 5 Gänge Menü für Julia kochen. Die Auswahl ist gigantisch, frisch, lecker ausgelegt, einfach toll. An der Kassenschlange angekommen wundere ich mich noch über den komischen Bildschirm der ständig Zahlen ausruft und "registred" sagt, bis ich begreife, dass man gesagt bekommt, an welche Kasse man gehen muss. Toll! Schon wieder ist einfach alles toll. Wenn man beim Gemüse die Tüten abzieht, dann rollen die so an einer Vorkehrung entlang, dass sie exakt an der nächsten Tüte ganz ordentlich abgestreift werden. Auch toll!

Ausserdem bin ich ganz knapp meinem ersten Heiratsantrag entgangen. Ein orthodoxer Jude kam lächelnd auf mich zu und fragte: "Are you jewish?" als ich verneine sagte er: "Schade, schönen Tag noch!" und geht. Hier nicht angequatscht zu werden ist unmöglich. Die wollen mit dir reden, alle.

Toll.

Jetzt sind wir vollgefressen und eigentlich zu faul uns für die Oper fertigzumachen, aber das lassen wir uns nicht entgehen.

Juchu

Also ganz egal, was ich in den nächsten Tagen schreibe, ihr könnt getrost davon ausgehen, dass es von einer immensen Produktion von Dopamin, Serotonin, Neurotrophin und Oxytocin entstanden ist. Ich bin nämlich total verliebt in New York.

Die Oper gestern war wirklich schön, auch wenn Julia und ich im zweiten Akt wirklich Mühe hatten wach zu bleiben. Nicht etwa, weil es so langweilig war sondern wirklich schlichtweg, weil wir todmüde waren. Etwas verwunderlich fand ich die New Yorker Oper Kultur dann doch, als in der Pause ziemlich viele Menschen zu sehen waren, die ihre Sandwiches aus der schicken Taschen zogen um mal eben in der Lobby ein kleines Picknick abzuhalten. In den Sitzen vor mir ist ein kleines Display wo ich die Sprache auswählen kann, so dass ich besser verstehe was sie da so singen. Im Zusammenhang mit dem Deutschen Text erkenne ich dann auch besser die italienischen Worte und ich bin sehr froh über dieses kleine technische Gimmick.


Ich bin auch zum ersten mal Yellow Cab gefahren. Da das Wetter heute nicht so super ist lasse ich mir jetzt erstmal Zeit mit dem Duschen und Anziehen. Ich will für den heutigen Tag zumindest mal ansatzweise versuchen, einen Plan zu haben wohin ich gehe, sonst bin ich in zwei Tagen totmüde und überreizt. Nicht das die viele Lauferei ungesund wäre, aber so komme ich bei jedem Ausflug vom Hundertsten ins Tausendste, aber niemals dort an wo ich hinwollte.

Jahrmarktgeruch

Wenn ich in Zukunft in Deutschland auf einen Jahrmarkt gehe, werde ich nie wieder so auf einen Jahrmarkt gehen können, wie in der Zeit bevor ich New York kennengelernt habe.

Wenn man hier durch die Strassen geht und an bestimmten Stellen die Augen schliesst, könnte man meinen man wäre auf der Dippemess. An vielen Ecken stehen kleine Büdchen an denen sie gebrannte Mandeln verkaufen und dieser typische Duft steigt mir sofort in die Nase  und mein Hirn bildet die Brücke "Jahrmarkt" im Hintergrund hört man die Sirenen der Polizei und Feuerwehr, die so klingen wie die merkwürdigen Geräusche, die die grossen Knöpfe an den Kinderkarussels immer von sich geben und wenn es nicht nach gebrannten Mandeln riecht, oder klingt wie ein Kinderkarussel riecht es nach gebratenem Gyros. Ich finde es riecht wie Gyros. Hier sind überall so Fleischbüdchen ich glaube sie heissen "Halal" oder so die gewürztes Fleisch verkaufen. Im Prinzip sowas wie unsere Dönerbuden nur auf Rädern.

New York ist ein riesiger Rummelplatz.  

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